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Goethe und Integrationskurse

Die beiden größten Gruppen an Deutschkursen stehen völlig unterschiedlich da: Auf der einen Seite wird das Goethe Institut gefeiert, auf der anderen stehen die Anbieter von Integrationskursen ständig unter Betrugsverdacht und kämpfen mit ihrem Schmuddelimage.

Das italienische Goethe Institut schickt einen mit Sprachassistenten besetzten VW Minivan an Sekundarschulen in Mailand, Rom und Neapel und hofft dadurch das Standing der Deutschen Sprache an den Italienischen Schulen zu verbessern. Dies hätte hier in Deutschland wahrscheinlich niemanden interessiert, wenn die Aktion nicht per Pressemitteilungen unter dem Titel „Deutschwagen“ veröffentlicht worden wäre. Ein wenig erinnert dieser „Deutschwagen“ an das Guidomobil, mit dem der damalige FDP Chef und heutige Außenminister Westerwelle vor 10 Jahren seine Partei auf 18 Prozent bringen wollte und dafür mit einem gelb-blauen Wohnmobil durchs Land fuhr. Heute ist er Chef des Auswärtigen Amts und unterstützt in dieser Funktion das Goethe Institut, das 2011 seinen 60sten Geburtstag festlich beging, jedes Jahr mit über 250 Millionen Euro aus deutschen Steuergeldern. Damit werden Sprachkurse für die lokale Mittelklasse subventioniert und Popbands wie Die Toten Hosen oder Tokio Hotel als deutsche Kulturbotschafter in die Welt geschickt. Diese kommerziell mehr als erfolgreichen Bands füllen ganze Stadien, aber das Goethe Institut lässt sich solche Konzerte schon mal € 100.000 kosten. Die Dozenten der Goethe Institute haben quasi Beamtenstatus und unterrichten oft schon länger als 30 Jahre vor Ort, was nicht unbedingt für dynamischen und modernen Fremdsprachenunterricht spricht. Das Goethe Institut lässt sich trotzdem gerne für seine Sprachkurse und die auswärtige Kulturarbeit feiern.

Währenddessen stehen die Anbieter von Integrationskursen in Deutschland regelmäßig unter Betrugsverdacht. Schülerzahlen und Anwesenheitslisten sollen manipuliert worden sein. Das Bundesinnenministerium unterstützt diese Integrationskurse mit 2,35 Euro pro Schüler und Stunde. Dieser Betrag reicht bei einer so heterogenen Gruppe wie den Migranten nicht aus, bei denen oft Intellektuelle neben Analphabeten in den Sprachkursen in Deutschland sitzen. Je homogener die Gruppen sind, je mehr auf den kulturellen und sozialen Hintergrund der Teilnehmer eingegangen werden kann, desto größer sind die Erfolge in den Sprachkursen. Und dafür muss der Innenminister mehr als 2,35 Euro pro Schüler und Stunde in die Hand nehmen. Die Dozenten in den Integrationskursen sind meistens freiberuflich tätig, was soviel bedeutet wie schlecht bezahlt und weder kranken- noch rentenversichert. Dabei schreibt das sechste Buch des Sozialgesetzbuchs Lehrkräften eine Kranken- und Rentenversicherung vor. Unterschiedlicher könnte das Bild der beiden größten Gruppen der Anbieter von Deutschkursen nicht sein: 250 Millionen Euro im Jahr mit der Gießkanne verteilt auf der einen, 2,35 Euro pro Schüler und Stunde und strenge Kontrollen auf der anderen Seite. Obwohl das Goethe Institut im weltweiten Vergleich wahrscheinlich die besten Bedingungen aller Kulturinstitute hat, ist die Stimmung dort nicht ganz so gut. Trotz weitgehender Steuerfinanzierung stagnieren die Teilnehmerzahlen bei den Deutschkursen im Ausland. An den Instituten macht sich Langeweile breit und einige pfiffige Leiter bieten zusätzlich andere Sprachen oder Sprachreisen an. Hier stellt sich die Frage, ob die jährlichen Subventionen von 250 Millionen Euro für solche Verzweiflungstaten sinnvoll angebracht sind. Bei den Integrationskursen dagegen sitzt das öffentliche Geld nicht so locker, dafür werden deren Anbieter kontrolliert und kritisiert. Diese Pflichtveranstaltungen für Zuwanderer schreien nach Reformen und Verbesserungen. In der Münchner Zentrale des Goethe-Instituts sitzt ein großer Teil der bundesweiten Kompetenz für den Unterricht von Deutsch als Fremdsprache, der sich aus der Debatte um die Integrationskurse heraushält. In diese Diskussion sollte sich das Goethe Institut unbedingt einbringen.

Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 07.04.12 16:31 in Rubrik: Italienisch | 0 Kommentare | 0 TrackBacks

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