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Kooperation SZ und DP

Die Süddeutsche Zeitung und der Hersteller von Sprachlernsoftware digital publishing gehen eine Kooperation ein. Ein weiterer Schritt der SZ in den lukrativen Markt der Fremdsprachen.

Vor wenigen Wochen gab die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung in München in einer etwas laschen Pressemitteilung bekannt sich an einem Bochumer Anbieter für Sprachreisen beteiligt zu haben. Wie erwähnt, die Beteiligung war nur von der Online-Abteilung der SZ und es ist auch kein Veranstalter, sondern ein Anbieter von Sprachreisen, was auch immer das sein mag. Nun gab die Süddeutsche Zeitung, also nicht nur die Online-Abteilung, bekannt, dass sie in Kooperation mit digital publishing (dp) die neue Rubrik SZ Sprachen ins Leben gerufen hat, die über Internet Sprachkurse für Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch anbietet. Unter dem Druck sinkender Anzeigeneinnahmen und den Gewinnerwartungen neuer Investoren lancierte die Süddeutsche 2004 die SZ Bibliothek und ein Jahr später die SZ Cinemathek mit den 50 besten Exemplaren des jeweiligen Genres, die sich sensationell verkauften, äusserst rentabel für den Verlag waren und gerne von anderen Verlagen kopiert wurden. Das war schon sehr intelligent gemacht und eigentlich profitierten alle davon, der Käufer hatte eine eher hochwertige Sammlung im Bücher- bzw. DVD-Regal, die Rechteinhaber machten es mit der Menge und die Süddeutsche nutzte ihre Abos, Anzeigenmöglichkeiten etc. für die Bewerbung der Reihen und machte den grössten Gewinn dabei. Dass die Produkte oft in den Regalen der Käufer liegen blieben, also nicht gelesen bzw gesehen wurden, kennt man ja vom Prinzip der Taschenbücher, die Vorreiter in dieser Art der Zweitverwertung waren.

Vermittler oder Veranstalter von Sprachreisen sind austauschbar, sie buchen bei denselben Sprachschulen ein und verschleiern dies, in dem sie meistens die Namen der Sprachschulen nicht nennen und dadurch dem Kunden die Möglichkeit Preise zu vergleichen vorenthalten. Unterschiedlich ist nur die Höhe der Provision, die je nach Härte der Verhandlung bis zu 50% betragen kann. Daher auch das Interesse der Online-Verlage an dieser lukrativen Art der Beteiligung. Der neue Kooperationspartner der SZ digital publishing ist alles andere als austauschbar, er ist innovativ und kreativ und steht relativ konkurrenzlos in seinem Marktsegment. Ich habe mir die dp Produkte öfter angesehen: sie sind gut gemacht, didaktisch, witzig und ansprechend. Die Entwicklung der Produkte hat viel Geld, viel Zeit und viele kompetente Mitarbeiter benötigt. Innerhalb der Kooperation mit der SZ hat digital publishing vom Kauf der Sprachlernsoftware auf Abo umgestellt und das kostet bei SZ Sprachen beachtliche € 79 im Monat. Ich persönlich glaube nicht an diese Methode, da sie vom Lerner zuviel Selbstdisziplin fordert, die nur ein eher kleiner Teil dann letztlich aufbringt. Trotzdem ein interessantes Produkt, das gut in die Produktpalette des ehemaligen Münchner Familienunternehmens passt und wahrscheinlich viel Geld in die Stuttgarter Kassen der neuen Besitzer spülen wird.

Der eigentlich geniale Hans Leyendecker beschreibt im Medienteil der SZ die Bildzeitung als brummende Verkaufsmaschine und vergisst zu erwähnen, dass die Springer-Presse dabei mit grosser Wahrscheinlichkeit von der Süddeutschen gelernt hat. Er bezieht sich auf ein Produkt namens Bild- Freunde- Ticket, mit dem zwei Menschen für € 44 auch per ICE durch Deutschland fahren können; da ist der Verbrauchernutzen doch eindeutig vorhanden. Bei den meisten SZ- Affiliate- Produkten erschliesst er sich nicht so eindeutig. Man hat auch nicht den Eindruck, dass die SZ andere ethische Ansprüche an ihre Produktpartner stellt als die Springer- Presse. Die SZ ist immer noch eine wirklich gute Tageszeitung. Die Marketing-Aktivitäten drum herum bewegen sich jedoch auf den gleichen seltsamen Pfaden wie die Springer-Presse. Vermittlung gegen Provision, je höher desto besser. Ich denke, das weiss Herr Leyendecker auch.

Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 13.05.11 18:00 in Rubrik: Allgemein | 0 Kommentare | 0 TrackBacks

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