Europäisches Sprachenportfolio
Das Europäische Sprachenportfolio war vielleicht gut gemeint, hat sich aber letztlich nicht durchgesetzt. Zu viel Bürokratie, zu viel Aufwand und zu wenig Vorteile für die Beteiligten.
Das Europäische Sprachenportfolio soll den Lerner einer Fremdsprache begleiten und seine Sprachkenntnisse, Fortschritte und interkulturelle Erfahrungen dokumentieren. Es besteht aus drei Teilen, dem Sprachenpass, der Sprachenbiographie und dem Dossier. Für die Bewertung wird der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Fremdsprachen benutzt. Es wird dem jeweiligen Bildungssystem angepasst. Da Bildung gerade in Deutschland Ländersache ist, gibt es mittlerweile schon über 100 verschiedene Portfolios, Es hängt also vom Land, vom jeweiligen Kultusministerium, von Parteien, von politischen Ideologien und Eitelkeiten ab und kann dadurch jederzeit Veränderungen erfahren. Das sind die zentralen Probleme dieser Idee, die dadurch einen hohen bürokratischen Aufwand erfordert und stark an die vielen fraglichen Verordnungen der EU erinnern. Wenn Sie in der BRD z.B. von Ulm nach Neuulm ziehen, von Hamburg, Berlin oder Bremen in einen Vorort, sind Sie schon in einem anderen Bundesland und können einem anderen Portfolio zugeordnet werden. Dasselbe gilt für Sprachkurse in England und Schottland. Ausserdem gibt es 4 eigene Sprachenportfolios für Kinder und Jugendliche, vom Vorschulalter bis zu jungen Erwachsenen, die auch ihre regionalen Eigenheiten haben und vielleicht wird in Zukunft auch ein Sprachenportfolio für ältere Lerner einer Fremdsprache angeboten. Eine dreistellige Anzahl verschiedener Portfolios klingt nach Büroverordnung aus Brüssel und nicht nach Spass an der neuen Sprache. Im Gegensatz zum GER ist das kein einleuchtender gemeinsamer Nenner, sondern geht deutlich in Richtung Bürokratiemonster. Man muss sich den Verwaltungsaufwand vorstellen um diese vielen verschiedenen Realisierungen zu verwalten. Irgendwie war es vorauszusehen, dass das Projekt als Rohrkrepierer endet, erfordert es doch die Mitarbeit aller Beteiligten: Lehrer, Schüler, Schulen verschiedenster Art, Institutionen, Verlage, Kultusministerien. Dies scheitert nicht nur an der Zeit und am Geld, sondern auch am fehlenden Interesse und an der Bequemlichkeit. De Nutzen ist in Relation zum Aufwand viel zu gering. Für die Beantragung von Fördermittel der EU eignet sich das Projekt hervorragend.
Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 09.05.11 14:18 in Rubrik: Englisch | 0 Kommentare | 0 TrackBacks




