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Arbeiterwohlfahrt und Sprachreisen

Seit geraumer Zeit finde ich Pressemitteilungen und Artikel, in denen die Arbeiterwohlfahrt Sprachreisen für Kinder und Jugendliche anbietet. Leider hat sich die AWO dem Markt angepasst und bietet dabei kommerzielle Programme zum Agenturpreis an.

Nach dem seltsamen Vortrag auf der ITB, in dem klar wurde, wie Anbieter von Jugendreisen die Kids für ihre Zwecke manipulieren und den Druck auf die Eltern erhöhen, damit die Jugendlichen zusammen mit ihren Kumpels die Ferienreise antreten können, die Sonne, Strand und Party verspricht, könnten Schülersprachreisen von der Arbeiterwohlfahrt neuen Wind in den Markt bringen. Bei einer von der Arbeiterwohlfahrt angebotenen Sprachreise für Jugendliche erwartet man kulturelle, soziale und politische Bildung innerhalb des Programms. Leider bucht die AWO ganz normal und gegen Provision bei einem Reiseveranstalter in die Sonne-Strand-und-Party-Kurse zu identischen Preisen ein und wie in der Branche üblich, erfahren Sie das oft erst in den AGBs. Ich konnte bei diesen Angeboten der AWO auch keine Vergünstigungen für Geringverdiener oder Alleinerziehende finden, so wie man sich das von einem Wohlfahrtsverband erwarten würde. Der Clou liegt auf der Hand: Ein kommerzieller Veranstalter verkauft Sprachreisen für Jugendliche über einen karitativen Verband und erhält zusätzliches Vertrauen und viele Buchungen von Eltern, die der AWO vertrauen. Es wäre auch anders denkbar: Die Arbeiterwohlfahrt hat genug Potential und Vernetzung um eigene Kurse anzubieten, in denen sie Inhalte transportiert anstatt bei Strandurlaub mit Animation gegen Provision einzubuchen. Dazu gehören auch deutlich günstigere Preise für Geringverdiener und Alleinerziehende. Das sind plausible Kriterien einer guten Wohlfahrtsarbeit, die gleichzeitig Bewegung in einen Markt bringen würden, der nur auf Gewinne ausgerichtet ist und einen beachtlichen Teil der Gesellschaft ausschliesst. Die Arbeiterwohlfahrt vertut hier eine grosse Chance auf mehr Gerechtigkeit.

Ich denke, die AWO agiert hier wie ein kommerzielles Reisebüro und hat sich damit weit von ihrer Satzung entfernt. Der nächste Schritt wäre Anlageberatung oder Vermittlung von Riester- und Rürup-Renten und Bausparverträgen. In diesen Bereichen sind mit dem Logo eines bekannten Wohlfahrtsverbandes und dem impliziten Vertrauen der Bevölkerung gute Abschlüsse und Verdienste möglich. Das ist die Ökonomisierung der sozialen Arbeit. Die Provision für die Vermittlung, die irgendwo zwischen 10% und 30% liegt, wird in den Reisepreis eingebaut. Die Sprachreise für Schüler wird dadurch deutlich teurer. Das Geschäft ist lukrativ; mittlerweile beteiligen sich bekannte Verlage an Sprachreiseagenturen, weil sie ihre Online-Auftritte aus den roten Zahlen bekommen wollen. Das kann aber nicht Ziel eines Wohlfahrtsverbandes sein, dessen Klientel nicht unbedingt die Topverdiener sind. Ich würde mir wünschen, dass die Arbeiterwohlfahrt ihr Verhalten überdenkt, eventuell eigene und interessantere Sprachreisen für Jugendliche anbietet und diese flankiert von sozialen Programmen zu gerechten Preisen anbietet. Die Falken und ihr Büro für Jugendreisen zeigen, dass es geht.

Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 30.03.11 17:33 in Rubrik: Schülersprachkurse | 0 Kommentare | 0 TrackBacks

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