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Fair Trade im Tourismus

Podiumsdiskussion auf der ITB in Berlin zum Thema Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung (CSR) und Fair Trade im Tourismus mit interessanten Teilnehmern. Leakage, Linkage und Fair Share.

Auf der Bühne waren Klaus Lengefeld von der GIZ (ehemals GTZ), Heinz Fuchs von der EKG, Prof. Dr. Harald Zeiss, TUI und Thomas Müller von SKR Reisen. SKR Reisen ist Anbieter von anspruchsvollen Bildungsreisen, Gesundheitsurlaub und Klosteraufenthalten und gehört zur ethisch-moralischen Elite der Branche, Prof. Dr. Harald Zeiss ist beim TUI-Konzern für Nachhaltigkeit zuständig. Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch, bei dem die zentralen Begriffe Leakage, Linkage und Fair Share diskutiert wurden. Leakage bedeutet sickern und meint den Teil des Reisepreises, der nicht im Reiseland ankommt, sondern bei der Vermittlung durchsickert. Kosten für Logistik, Prospekte, Reiseleiter, Büro, Werbung, Gewinne etc sind mit Leakage gemeint. Und bei vielen internationalen Ketten fliesst auch der Gewinn vor Ort wieder zurück in die USA, England, Schweiz oder BRD. Diese Gelder bleiben ebenfalls nicht im Reiseland. In unserem Bereich Sprachreisen sollten man bei Provisionen von bis zu 50% und Wegfall von logistischen Problemen, keine Reiseleiter und Büros vor Ort eher von Sacken als von Sickern reden. Hier geht die Tendenz leider auch in Richtung grosse Schulen und Ketten. Jedes Jahr müssen viele kleine Institute schliessen, weil Sie sich in dem Haifischbecken nicht mehr behaupten können. Der Begriff Linkage bewertet, wie das Geld, das nach dem Leakage im Land bleibt, verteilt wird. Wie viel bekommen die Hotelangestellten, die Guides, die Busfahrer? Oder verdient nur der Hotelbesitzer und die Agentur vor Ort anständig?

Nun hat SKR die erste Fair-Trade-Reise im Programm, natürlich auch mit einem Siegel. Bei allem Respekt, ich glaube nicht an diese Siegel, die sehen auf dem Papier gut aus und sind eigentlich nur Marketinginstrumente. Das hat uns die DZI mit ihrem Spendensiegel für UNICEF gezeigt und DIN Certo mit den Sprachreise- Zertifikaten. Da dieses Podium nur knapp eine halbe Stunde hatte, konnten die Beteiligten nicht wirklich differenzieren. Dabei macht es einen grossen Unterschied, ob ein Veranstalter bei einer Schule eine Sprachreise einbucht bzw. bei einer andalusischen Wellness-Finca eine Woche Yogaaufenthalt oder eine aufwendige Rundreise durch China zum Thema Taoismus anbietet. Die China-Reise ist ein eigenes Produkt, das grössere logistische Anforderungen an den Veranstalter stellt. Die Sprachreise und der Yogaaufenthalt finden auf jeden Fall statt und verschiedene Veranstalter buchen in das Programm ein; hier hat der Veranstalter keine eigenen Vorleistungen, er ist nur juristisch verantwortlich, hat fast nichts mit der Organisation zu tun. Wie eine Sprachreise aus Sicht des Veranstalters funktioniert, haben wir im Blog beschrieben. Bei dem geringen Aufwand und Provisionen von bis zu 50% kann man nicht von Fair Trade sprechen, da kaum mehr als die Hälfte des von Ihnen bezahlten Betrages an der Schule ankommt.

Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 17.03.11 16:21 in Rubrik: Allgemein | 0 Kommentare | 0 TrackBacks

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