DIN Norm verlängern?
Die DIN Norm 14804 Sprachreisen soll verlängert werden und die Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Berlin hat ihren Job verloren. Was hat das miteinander zu tun? Eine ganze Menge:
Die Verbraucherzentrale Berlin steht vor der Insolvenz; einer der Gründe ist, dass zu viel Umsatzsteuer an den Berliner Senat überwiesen wurde und so am Jahresanfang knapp € 200.000 in der Kasse der Verbraucherschützer gefehlt haben. Das hat die Geschäftsführerin den Job gekostet und brachte die Verbraucherzentrale in grosse Schwierigkeiten. Um die Verbraucherzentrale Berlin muss man sich Sorgen machen, um die ehemalige Geschäftsführerin wohl nicht. Die DIN Norm 14804 Sprachreisen wurde vom Verband Deutscher Sprachreiseagenturen in Auftrag gegeben und endete mit verschiedenen Tests der Stiftung Warentest, die den Mitgliedern des Verbandes sehr freundschaftlich gewogen waren. Die damalige Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Berlin, hat bei der DIN Norm freiberuflich mitgearbeitet, sitzt im DIN Verbraucherrat, der bestimmt, wie so eine Norm entsteht und hat noch einen Sitz im Kuratorium der Stiftung Warentest. Das Kuratorium der Stiftung Warentest gibt vor, welche Waren und Dienstleistungen getestet und vor allem, wie diese Tests durchgeführt werden. Nebenbei hat die ehemalige Geschäftsführerin der VZ Berlin noch einen Beraterjob beim Verband der deutschen Sprachreiseagenturen, beim FDSV, der so sehr von DIN Norm und von den Berichten der Stiftung Warentest profitiert hat.
Ich hätte mir so eine Konstellation in Afrika oder Südamerika vorstellen können, aber nicht in der BRD. Obwohl dieser beträchtliche Interessenskonflikt seit vier Jahren bekannt ist, hat das niemand im deutschen Verbraucherschutz, bei DIN, Stiftung Warentest, Finanztest oder bei den Verbraucherzentralen gestört. Wenn Sie sehen, in welchen Beiräten die Geschäftsführung von Stiftung Warentest sitzt oder auf welch seltsamen Veranstaltungen der Chefredakteur von Finanztest Vorträge hält, nähert man sich der Lösung. Die korrekte Umsatzsteuer ist beim Verbraucherschützer viel wichtiger als korrektes ethisches Verhalten.
Zurück zur DIN Norm 14804, deren 5-jährige Gültigkeit ausläuft und sich folgende Alternativen bieten:
- Ersatzlos zurückziehen und einstampfen (bester Vorschlag)
- Verlängern (schrecklicher Gedanke)
- Erweiterung auf ISO Norm (wenn es wirklich ernst gemeint ist ….)
Die bestehende Norm kann nur dazu dienen, dem Interessierten zu zeigen, wie gut man mit freundschaftlichen Beziehungen zu Verbraucherschützern Werbung betreiben kann und wie wenig Interesse Institutionen wie DIN, Stiftung Warentest oder Verbraucherzentralen an Interessenskonflikten leitender Mitarbeiter haben. Diese Art der Nebeneinkünfte scheint im deutschen Verbraucherschutz, der zum Grossteil auch von unseren Steuergeldern lebt, ganz normal zu sein. Die Norm ist wirklich schlecht, mittlerweile distanzieren sich die Beteiligten schon davon. Basierte das grosse Testheft der Stiftung Warentest 2007 zum Thema Sprache Lernen auf der DIN Norm, hat man im diesjährigen Test Business Sprachreisen nach eigenen Angaben nur noch einiges aus der Norm benutzt. Eine Norm, die nicht darauf eingeht, dass viele Anbieter in Deutschland den Namen der Sprachschule, also das Produkt, nicht nennen, um Direktbuchungen zu vermeiden, eine Norm, die nur Sprachreiseagenturen dient; das kann es nicht sein. Und der Beobachter möchte wissen, warum das so ist.
Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 01.10.10 10:15 in Rubrik: Allgemein | 0 Kommentare | 0 TrackBacks


