Neues beim Fremdsprachenlernen
Neues aus der Gehirnforschung und die Anwendung beim Fremdsprachenlernen – so hiess eine versprechende Veranstaltung im Berliner Kulturzentrum Urania, bei der leider nur Aufgewärmtes präsentiert wurde. Trotzdem ein interessanter Vortrag.
Hauptproblem ist, dass Prof. Schiffler, der den Vortrag hielt, zur Fraktion der Suggestopädisten gehört und damit offensiv umgeht. Bei dieser Methode werden die Schüler über Musik und Entspannungstechniken in eine Art Hypnose versetzt und lernen so angeblich deutlich mehr Vokabeln in der gleichen Zeit. Zweites Problem ist die Zielgruppe der Studie, die sich auf Berliner Abiturienten reduziert, die gut und schnell lernen, aber nur einen kleinen Teil des Marktes repräsentieren. Ausserdem wird nur kontrastiver Fremdsprachenunterricht untersucht, bei dem die Schüler zusätzliche Stimuli über Metaphern, verbal auf Deutsch artikuliert, erhalten. Vielleicht passiert einfach nur zu wenig auf unserem Gebiet und die Beteiligten (Schulen, Verlage etc) sind mehr am Geld verdienen als an der Forschung interessiert.
Interessant fand ich und da zeigt sich die Erfahrung, die Prof. Schiffler begleitet, wie man mit kleinen Veränderungen und viel Abwechslung im Unterricht grosse Erfolge erzielt, jenseits von irgendwelchem Sektierertum. Viel Neues war nicht dabei; muss auch nicht sein, wenn die alten Mittel helfen:
- Motivierte, entspannte Schüler lernen besser und schneller
- Kleine Gruppen
- abwechslungsreicher Unterricht
- Berücksichtigung des Lernertyps
- Wechseln der Unterrichtsform
- regelmässige Partnerarbeit
- Musik und Rollenspiele als wichtige Bestandteile und natürlich
- Nutzung der ganzen Bandbreite der verschiedenen Übungstypen
All dies hat Prof. Schiffler plausibel dargestellt. Für interessierte Lehrer und Kursleiter hatte der Vortrag ein gewisses Inspirationspotential.
Bei der Sprachreise nach England oder der Sprachreise nach Spanien erhalten die Teilnehmer einen grösseren Block an Unterrichtseinheiten, die Sprachschüler sind im Urlaub und tendenziell entspannt und kontrastiver Sprachunterricht ist bei mehreren Nationalitäten im Klassenzimmer nicht wirklich realistisch. Besonders bei fortgeschrittenen Lernern halte ich den zweisprachigen Unterricht sogar für nicht förderlich. Resümee: Kein schlechter Vortrag, aber Neues, wie angekündigt, war bei dieser in die Jahre gekommenen Studie nicht dabei.
Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 15.05.10 16:27 in Rubrik: Allgemein | 0 Kommentare | 0 TrackBacks

