Sprachreise in die neuen Bundesländer
Im August war Thüringen, genauer gesagt Weimar und Jena, Veranstaltungsort für die 14. Internationale Tagung der Deutsch LehrerInnen. Mehr als 3000 Teilnehmer tauschten sich über den Unterricht des Deutschen als Fremdsprache aus und nahmen an den zahlreichen Vorlesungen, Seminaren und Workshops teil. Wenn Sie auf der Suche nach einer Sprachreise in Deutschland sind, werden Sie in Thüringen nicht fündig. Deswegen hier ein Plädoyer für mehr Sprachreise- Ziele in den neuen Bundesländern, insbesondere Weimar.
Was haben Städte wie Bonn, Bremen, Düsseldorf, Freiburg, Göttingen, Mannheim oder Schwäbisch Hall, was Wismar, Potsdam, Schwerin, Leipzig, Weimar, Görlitz oder Erfurt nicht haben. Die einen liegen in den alten Bundesländer, die anderen in den neuen. Und: Die im Westen haben eine Niederlassung des Goethe- Instituts, die im Osten nicht. Die einzige Stadt im Osten, in der das Goethe- Institut Deutsch Sprachkurse anbietet, ist Dresden; das repräsentative Büro in Weimar, in dem praktisch keine Sprachkurse stattfinden, nicht mitgerechnet. Bei allem Respekt für kulturelle Weltstädte wie Bonn, Bremen, Düsseldorf, Freiburg, Göttingen, Mannheim oder Schwäbisch Hall, ein wenig Wismar, Potsdam, Schwerin, Leipzig, Weimar, Görlitz oder Erfurt würde dem Goethe Institut gut stehen und wäre auch hilfreich auf dem langen Weg in die innere Einheit Deutschlands. Auf dem Privatsektor sieht es ähnlich aus; der hat aber nicht diese Aufgabe der Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur.
Nehmen wir als Beispiel Weimar: Sehr vieles, was man im In- und Ausland mit Deutschland verbindet, lässt sich auch auf das architektonische Schmuckstück Weimar zurückführen. In Weimar haben Goethe und Schiller ihre Freundschaft lange und intensiv gepflegt und hier sind die beiden grössten deutschen Dichter begraben. Der Komponist Franz Liszt hat hier fast 20 Jahre gelebt und gearbeitet und Friedrich Nietzsche hat hier seine letzen Jahre verbracht. Hier tagte die Nationalversammlung im Weimarer Nationaltheater, die 1919 in die Gründung der ersten Republik auf deutschem Boden führte. Hier begann Walter Gropius vor 90 Jahren seine Kunstschule und führte sie in die Bauhaus Universität über. Sowohl die Weimarer Republik als auch das Staatliche Bauhaus fanden 1933 mit der Machtergreifung der Nazis ein brutales Ende. Walter Gropius ging nach Amerika und gilt als einer der ganz grossen Architekten der Moderne. Jährlich pilgern jede Menge Architekten und Studenten aus der ganzen Welt nach Weimar und Dessau um sich das Wirken ihres Idols anzusehen. Dazu kommen noch mehrere hochwertige Universitäten mit vielen Studenten, die die Strassen, Kneipen und Cafés dieser einmaligen Stadt beleben. Warum das Goethe Institut oder private Sprachschulen hier nicht regelmässig Deutsch Sprachreisen anbieten, erschliesst sich mir nicht.
Das gleiche gilt für Potsdam, umgeben von Seen und breiten Flussarmen der Havel, mit vielen architektonischen Highlights und tollen Schlössern, der Landeshauptstadt von Thüringen Erfurt mit seiner wunderbaren Altstadt oder Görlitz in Sachsen. Die östlichste Stadt Deutschlands hat für viele Experten zusammen mit Regensburg das schönste historische Stadtbild im ganzen Land. Von der einzigartigen Innenstadt muss der Besucher nur eine kleine Brücke überqueren und ist schon in Polen in der Schwesterstadt Zgorzelec. Da sich das Goethe Institut verstärkt gegen Osten orientiert, wäre die Einrichtung eines Instituts in Görlitz keine schlechte Idee. Um ein Haar wäre Görlitz zur Kulturhauptstadt 2010 gewählt worden. Bei diesen wirklich tollen Städten und der Ost-West-Problematik innerhalb Deutschlands frage ich mich ernsthaft, warum das Goethe Institut an Schwäbisch Hall, Mannheim, Düsseldorf oder Göttingen festhält; bei allem Respekt für die genannten Orte in den alten Bundesländern.
Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 24.08.09 10:00 in Rubrik: Deutsch | 0 Kommentare | 0 TrackBacks

