Schülersprachkurse - ZDF testet
Das ZDF hat mal wieder einen Beitrag über Sprachreisen gebracht und es ist nach der WISO Sendung über das gleiche Thema ein erneuter Tiefpunkt im Verbraucherjournalismus. Noch ist der Beitrag in der ZDF Mediathek unter ZDF Reporter bzw dem aussagekräftigen Titel: "Schlechte Unterkunft, mieses Essen" zu sehen. Untertitel könnte lauten: "Geldgeile Striptease Tänzerin zockt jugendliche Sprachreisende ab"; das würde bei der Bildzeitung zur Erhöhung der Auflage führen, beim öffentlich rechtlichen Fernsehen verbessert es vielleicht die Quoten. Anschauen, solange es noch online ist.
Die Sendung ZDF Reporter besucht zusammen mit zwei jugendlichen Sprachschülern den Ort auf Malta, an dem sie in den letzten Sommerferien einen etwas verkorksten Sprachurlaub verbracht haben. Die Gastgeberin der beiden Jungs soll nämlich eine Striptease Tänzerin sein. Die Knaben dürfen sich ausgiebig auslassen über die Dame, die Sprachreise Agentur wird in Frankfurt besucht. Der Eigentümer der Agentur ist ganz entsetzt und betont vor laufender Kamera, dass er das nie von der Dame erwartet hätte. Mir sind fast die Tränen gekommen ….. Alle Beteiligten kommen beim ZDF Reporter Martin Schiffler zu Wort, die Einzige, die nicht zu Wort kommt, ist die angebliche Striptease Tänzerin und ein kleines Stück Rest- Ethik sollte man sich bei allem Quotendruck behalten, besonders im öffentlich- rechtlichen Fernsehen. Und die Doppelmoral, die den Aussagen zu Grunde liegt, ist einfach nur erbärmlich.
Denn die eigentlichen Probleme liegen ganz wo anders. Es ist zwar medienwirksam die Agentur in Frankfurt zu besuchen und zu befragen, aber letztlich hat die Agentur nichts mit der Auswahl der Familie zu tun, auch wenn sie das nicht zugeben wird. Die Unterkunft ist Aufgabe der Schule, nicht der Agentur. Das Hauptproblem bei den Sprachreisen für Jugendliche sind die Ferientermine, in denen die Kids Sprachkurse im Ausland belegen wollen. Der Ansturm auf die Gastfamilien ist zu diesen Terminen gigantisch. Hinzu kommt, dass viele der Familien gerade dann selbst in Urlaub sind und so für die Sprachschüler ausfallen. Wie schon gesagt, hat das nichts mit der Agentur zu tun, sondern ist Aufgabe der Schulen und stellt sie vor fast unlösbare Probleme. Warum der ZDF Reporter das nicht erklärt, bleibt sein Geheimnis, genauso wie die Standards der DIN Norm 14804, auf die er überhaupt nicht eingeht. Hier gibt es Normen für die Betreuung und die dazugehörigen Kontrollmechanismen. Beide interviewten Agenturen besitzen das Zertifikat dieser Norm und wenn die Vorwürfe auch nur ansatzweise stimmen, muss sich die Zertifizierungsgesellschaft DINCERTO fragen lassen, wie dieses Zertifikat vergeben wird. Telefonisch? Per Fragebogen?
Aufgrund dieser Problematik haben wir schon mehrmals auf das Angebot Englisch für die ganze Familie einer kleinen Sprachschule an der irischen Küste hingewiesen. Eltern und Kinder verbringen den Sprachurlaub zusammen, werden aber in verschiedenen Kursen unterrichtet. Das kann man auch nicht als Full Immersion bezeichnen, aber so wissen Sie zumindest, wie es Ihren Kindern gerade geht.
Wenigstens hatte man bei dem Beitrag nicht den Eindruck, dass die Reisekosten des ZDF Teams von der Agentur gesponsert wurden. Die Sendung erinnert trotzdem stark an diese unsäglichen Kommentare der so genannten Tester zur Familienunterkunft im Sprachreiseheft der Stiftung Warentest.
Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 06.05.09 12:08 in Rubrik: Allgemein | 1 Kommentare | 0 TrackBacks


Bisherige Kommentare (1)
1 | anonym schreibt am 19.05.09 00:05:
Sehr geehrter Herr Sandbrand,
eine kurze Erläuterung:
Ihre Aussage: "letztlich hat die Agentur nichts mit der Auswahl der Familie zu tun" ist zwar grundsätzlich richtig, trifft hier aber nicht zu, da in diesem Fall die "Agentur" der Reiseveranstalter mit Sitz in Frankfurt ist, der als einziger Veranstalter auch weltweit 24 Sprachschulen betreibt und daher sehrwohl direkt mit eigenen Mitarbeitern der eigenen Sprachschulen auch die Gastfamilien auswählt. Das hier nur zur Klarstellung. Ganz wertfrei.