Finanztest und die Sprachen
Nach Test versucht sich auch Finanztest, die andere Publikation der Stiftung Warentest, am Thema Sprache Lernen. Da man nicht viel erwarten konnte, bleibt die Enttäuschung relativ gering.
Was Finanztest damit erreichen oder vermitteln wollte, ist mir ein Rätsel. Vielleicht hatte das Heft zwei Seiten übrig, die gefüllt werden mussten. In dem Heft geht es um alternative Lernwege, die zusätzlich zum Sprachkurs benutzt werden können. Was hier als Alternative angeboten wird, ist meiner Meinung nach eher spiessig. Es scheint, dass die Autoren noch nie etwas vom Tandem- Netzwerk gehört haben, das gehirngerechte Lernen von Vera F. Birkenbihl scheint ihnen kein Begriff zu sein und die Vor- und Nachteile von Superlearning werden auch nicht angesprochen. Dafür werden ein District Manager of Instruction einer grossen Sprachschulkette (was auch immer das sein mag…) und ein Mitarbeiter des DIE, den ich bisher nur von einigen nicht sehr aussagekräftigen Kommentaren in diesem unsäglichen Heft Sprachreisen der Stiftung Warentest von 2007 kannte, als Autoritäten aufgeführt. Beide tragen nicht wesentlich zur Vertiefung ins Thema alternative Wege beim Sprache Lernen bei.
Als Beispiel aus dem wirklichen Leben wird eine 29-jährige Frau aus Leipzig aufgeführt, die bei einer Film- und Fernsehproduktionsfirma in Sachsen arbeitet und die ihr Englisch dringend für den Job verbessern muss. Jetzt erfahren wir von E- Learning und Online- Sprachkursen und, dass die junge Dame darauf gekommen ist, dass das Lesen von englischen Büchern weiterhilft. Bei den Tipps lesen wir, dass man den Arbeitgeber fragen kann, ob er sich an den Kosten für den Englisch Sprachkurs beteiligt und, dass der Arbeitnehmer ein Recht auf Bildungsurlaub hat. Aufgepasst: Auch wenn der Arbeitnehmer ein Recht auf Bildungsurlaub hat; wer in den heutigen Zeiten auf Bildungsurlaub besteht, der muss sich seines Arbeitsplatzes schon sehr sicher sein. Bei jungen, dynamischen Firmen und ähnlichem ist sonst ganz schnell EdeKa angesagt (EdeKa = Ende der Karriere) und das sollte nicht der Sinn des Heftes sein. Da wird ein Bildungsurlaub Sprachkurs schnell als zusätzliche Ferien interpretiert.
Und erst im allerletzten Abschnitt dieses Beitrags erfährt der Leser, dass die junge Dame aus Leipzig gar nicht für die beschriebene Gruppe der Berufstätigen, die ihr Englisch für den Job verbessern muss, steht: Sie ist nämlich gerade im Mutterschutz. Da kann man leichter englische Bücher lesen und Online- Kurse im Internet suchen. Vielleicht sollte man den Arbeitgeber in diesem Falle besser nicht um Unterstützung für die Kosten eines Sprachkurses bitten und der Anspruch auf Bildungsurlaub ist wahrscheinlich auch nicht gegeben.
Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 23.03.09 16:09 in Rubrik: Allgemein | 0 Kommentare | 0 TrackBacks


