DIN Norm Sprachreise - Rückblick
Vor gut 18 Monaten wurde die DIN Norm 14804 – Sprachreisen, das ist Norm in Europa, vorgestellt, die das Thema Sprachkurse im Ausland für den Verbraucher greifbarer und kontrollierbarer machen sollte. Gross angekündigt, in vielen Pressemitteilungen beworben und von einigen Redaktionen unkontrolliert übernommen, stellte sich schnell heraus, dass dieses Werk nicht unbedingt für das Institut für Normung spricht, sondern eher die Ziele gewisser Interessensvertreter bedient. Wer schon mal im Ausland gelebt hat, weiss, wie hilfreich DIN Normen bei der Suche nach Druckerpapier oder Dübel sind. So war vor 1,5 Jahren mein Vertrauen in den deutschen Verbraucherschutz noch gross und ich dachte mir, dass die Mitglieder des Beirat für die DIN Norm 14804 – Sprachreisen, das ist Norm in Europa, zwar hochrangige Verbraucherschützer waren, aber mit dem Thema überfordert waren. So ist der Autor dieser unsäglichen Norm, Dr. Holger Mühlbauer, gelernter Maschinenschlosser und Jurist.
18 Monate später steht fest, dass die Probleme, die der deutsche Verbraucher beim Thema Sprachreisen und Sprachkurse hat, gross sind. Sie beginnen beim Deutschen Institut für Normung, gehen über die Zertifizierungsgesellschaft DINCerto und die Geschäftsführung der Verbraucherzentrale Berlin bis tief in die Redaktion der Stiftung Warentest. Einige Monate vor dem Erscheinen des Sonderhefts Sprachreisen der Stiftung Warentest (erschien im November 2007) hatte ich ein längeres Telefongespräch mit einem zuständigen Redakteur, dem ich den unglaublichen Interessenskonflikt der Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Berlin, RA Gabriele Francke, beschrieben habe, die Zusammenhänge bei der Sprachreise erklärt habe, welchen Teil die Sprachschule abdeckt und welchen die Agentur und ob eine Agentur bei der Sprachreise überhaupt nötig ist, etc etc und fast nichts davon wurde erwähnt. Das Thema Sprachreisen wird im Testheft fast ausschliesslich im Zusammenhang mit Agenturen und Vermittlern abgehandelt, die Sprachschulen, die die Sprachreisen organisieren und durchführen, kommen nicht vor. Auch scheint es, dass die ZDF Sendung WISO, die Verbraucherschutz betreiben soll, in diesen noblen Kreis aufgenommen werden will, da sie ähnlich irreführend über das Thema berichtet. Immer wieder geht es um die unsägliche DIN Norm 14804 – Sprachreisen, das ist Norm in Europa, deren Autor Dr. Mühlbauer auch Abteilungsleiter beim Deutschen Institut für Normung ist.
18 Monate später lassen sich immer noch deutsche Sprachreiseagenturen nach der DIN Norm 14804 – Sprachreisen, das ist Norm in Europa, von DINCerto „zertifizieren“ und verkünden dies in Pressemitteilungen. Diese DIN Norm 14804, im Beuth Verlag veröffentlicht, wird dadurch natürlich besser verkauft, so dass der Autor Tantiemen und Kopierausschüttungen erhält. Auch ich leiste durch diese Artikel meinen Beitrag dazu. Fast alle Agenturen, die sich von DINCerto zertifizieren lassen, sind im Fachverband Deutscher Sprachreiseagenturen organisiert, dem zum Zeitpunkt der Erhebungen die Rechtsanwältin Gabriele Francke beratend zur Seite stand. Sie war damals Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Berlin, sass im Kuratorium der Stiftung Warentest und hat beim Deutschen Institut für Normung bei Normen wie der DIN Norm 14804 – Sprachreisen, das ist Norm in Europa, mitgearbeitet. Die Pressemitteilungen nach der Zertifizierung sprechen von einer Verbraucherschützerin, die die Agenturen einmal im Jahr besucht und „kontrolliert“. Sicherlich eine lukrative Aufgabe, da die Agenturen im ganzen Bundesgebiet verteilt sind.
18 Monate später ist Herr Dr. Mühlbauer immer noch Abteilungsleiter beim Deutschen Institut für Normung, aber Frau Francke wird auf der Internetpräsentation des Fachverbandes Deutscher Sprachreiseagenturen nicht mehr als Beraterin aufgeführt. Da hat dieser Blog doch etwas bewirkt. 18 Monate später ist Frau Francke immer noch Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale und sie ist immer noch ordentliches Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Warentest. Ob sie weiterhin beim Deutschen Institut für Normung mitarbeitet, ob sie den FDSV und seine Mitglieder weiterhin berät, kann ich nicht beurteilen.
Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 27.08.08 18:40 in Rubrik: Allgemein | 0 Kommentare | 0 TrackBacks


