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Sprachreisen - Im Dschungel von Affiliate und Partnerprogrammen

LAL, die grösste der deutschen Sprachreiseagenturen, hat einen neuen Chef. LAL ist übrigens eine der ganz wenigen Sprachreise Agenturen in Deutschland, die die Namen der Sprachschulen in ihren Katalogen nennen. Der neue Chef heisst David Armstrong und ist IT Spezialist, was das Dilemma beschreibt, in dem dieser Markt sich befindet.

Vor gar nicht allzu langer Zeit sassen in den Agenturen für Sprachreisen Sprachwissenschaftler, Romanisten und Anglisten, Schöngeister und Kulturinteressierte, heute sind es Betriebswirte, Experten für Online Marketing, Suchmaschinenoptimierer und Affiliate Spezialisten. Die Energie, die früher in die Beratung für den Kunden ging, fliesst heute in den Kampf um den Kunden.

Der Kampf um Kunden findet hinter verschlossenen Türen statt und ist ganz schön hart. Was sind eigentlich Partner oder Affilliate Programme? Da eine Internetseite selten 100% der Ziele abdecken kann, bietet sie anderen Seiten die Möglichkeit, gegen einen Teil der Provision bei Vertragsabschluss, Kunden auf ihre Seiten zu führen. Wir kennen das von www.amazon.de, von Seiten für Last Minute Reisen etc etc. Man baut z.B. auf der Website mit dem Thema Australien einen Link zum Reiseführer Australien bei www.amazon.de ein und bekommt eine kleine Provision bei der Buchbestellung. Das ist die klassische Form der Affiliate Werbung auch Partnerprogramme genannt. Der Affiliate Markt für Sprachreisen ist da deutlich lukrativer als Bücher und Billigflüge. Nachdem diese Zubringer auch mal gut € 500 von den Sprachreise Agenturen für einen Sprachschüler bekommen, suchen diese Zubringer sich immer öfter Subzubringer, denen man auch mal € 250 zukommen lässt, da bleibt immer noch der gleiche Betrag, und getan hat letztlich keiner der beiden Seiten etwas. Viele dieser Agenturen, Zubringer oder Subzubringer bezahlen noch Anzeigen bei google oder yahoo, schalten Banner oder Anzeigen. Bis zur Buchung bei der Agentur kann der Kunde folgende Werbemassnahmen durchlaufen haben.

  • Partnerprogramme
  • Affiliate
  • Bezahlte Anzeigen
  • Bezahlte Artikel
  • Bannerwerbung
  • Google und Yahoo Anzeigen

Dazu kommen gefakete Foren und bezahlte Tests und Kommentare, so dass sich der Suchende garantiert nicht mehr auskennt. Insgesamt wollen mehrere Tausend Internetseiten etwas von diesem Kuchen abhaben, so dass sich der Kunde in einem wahren Afilliate Dschungel befindet, in dem die Orientierung schwer fällt. Allein im letzten Jahr sind ca. 30 Sprachreise Ratgeber ins Netz gestellt worden, die alle nur den Sinn haben Besucher auf die Seiten der Agenturen oder Zubringer oder Affiliate Partner zu führen. Der Informationsgehalt dieser Ratgeber geht gegen Null. Dann kommen noch diese ganzen DIN Normen, Hefte der Stiftung Warentest über Sprachreisen und WISO Sendungen im ZDF. Eine einzelne Sprachschule hat kaum noch Chancen in diesem Wirrwar gefunden zu werden. Mission erfüllt.

So kommt es dazu, dass der Kunde bis zu 35% Aufschlag zahlt oder die Sprachschule, die die Sprachreise organisiert und durchführt nur 70% von dem bezahlten Betrag erhält und sich nicht so recht dagegen wehren kann. Der Rest verpufft beim Kampf um den Kunden; es ist ein wenig wie bei der Milch oder beim Kaffee, der Hersteller wird nicht fair entlohnt. Die Agenturen versprechen auf der einen Seite den Kunden gute Beratung und die gleichen Preise wie direkt an den Sprachschulen und auf der anderen Seite der ganzen Kette an Zubringern hohe Gewinne. Wie Sie das unter einen Hut bringen, bleibt deren Geheimnis. Wahrscheinlich nennen auch deswegen die meisten Agenturen die Namen der Sprachschulen erst nach der Buchung. Diese 30% der gesamten Kosten für die Sprachreise zahlt der Kunde nur, damit Agenturen, Partnerprogramme, Zubringer, Subzubringer und andere Werbetreibende sich im Internet um ihn schlagen. Beraten oder Informieren findet fast nicht mehr statt. Da sollte man sich fragen, ob man nicht besser direkt bei der Sprachschule vor Ort bucht.

Die genialste Idee der Beteiligten war den Verbraucherschutz mit ins Boot zu holen. Dieser Coup sollte eigentlich mehr Beachtung in den gängigen Wirtschaftsmagazinen finden, denn er ist erfolgreich und vor allem nachhaltig. Auch wenn die Anfangsinvestition relativ hoch war, so günstig kommt man sonst nicht an Themen für Pressemitteilungen und Testberichte. Dass 70% der Agenturen den Namen der Sprachschule nicht nennen, wollte den Damen und Herren von der Verbraucherschutzzentrale Berlin, DIN, Stiftung Warentest und WISO nicht auffallen und erschwert dem Kunden die Orientierung zusätzlich. LAL ist dabei eine der zu lobenden Ausnahmen. Wäre schön, wenn das so bleiben würde.

Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 10.06.08 12:21 in Rubrik: Allgemein | 0 Kommentare | 0 TrackBacks

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