Sprachreise – Was ist das?
Eine Sprachreise ist ein touristisch, kulturell und vor allem sprachlich motivierter Urlaub im Land der Zielsprache und an einem Ort, den man sich nach seinen Wünschen aussucht. Eine wirklich feine Sache. Man macht grosse sprachliche Fortschritte in sehr kurzer Zeit, man wird Teil einer Stadt, lernt Land und Leute kennen und trifft an der Schule viele nette Menschen aus der ganzen Welt. Aber wer organisiert das alles?
Zentrale Figur im Szenario der Sprachreise ist die Sprachschule vor Ort, in der die Sprachkurse stattfinden. Hier sitzt auch der Mitarbeiter, der die Schüler in die Sprachkurse einteilt und für sie eine nette Gastfamilie sucht. Wenn sie bei Ihrer Sprachreise lieber in einem Hotel oder Wohngemeinschaft wohnen, organisiert der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin das auch. Auf diesem Schreibtisch landet die Anmeldung, egal aus welchem Land sie kommt, egal ob direkt bei der Sprachschule oder über eine Agentur gebucht.
Womit wir wieder beim deutschen Verbraucherschutz wären. Stellen wir uns vor, wir sind an einem sonnigen Montag in der oben beschriebenen Sprachschule im Sprachkurs Spanisch Intensiv - Mittelstufe 1. Insgesamt sitzen 8 Schüler im Klassenzimmer, drei kommen aus Deutschland. Jeder der drei bleibt 4 Wochen und hat sein Einzelzimmer mit Frühstück bei einer akzeptablen Gastfamilie. Organisiert hat das alles unser netter Mitarbeiter an der Sprachschule, obwohl Schüler A direkt bei der Sprachschule, Schüler B über eine Agentur und Schüler C über einen Vermittler gebucht hat. Trotzdem sieht der Verbraucherschutz in den Publikationen bei DIN und Stiftung Warentest diese drei Sprachschüler als Teilnehmer von drei völlig verschiedenen Sprachreisen an. Über die Direktbuchung sagt das Test- Heft, dass man dazu Zeit und Organisationstalent braucht. Das ist wieder eine These, die den Interessenskonflikt des deutschen Verbraucherschutzes zeigt. Während Schüler B und C nur von der namenlosen Partnerschule der Agentur erfuhren, verhandelte Schüler A direkt mit der Sprachschule, sah sich auf deren Internetseite um und bekam den günstigsten Preis. Warum braucht Schüler A bei der Direktbuchung Organisationstalent? Die Sprachschule organisiert die ganze Sprachreise, sowohl für den Direktbucher als auch für die verschiedenen Agenturen, das landet alles auf demselben Schreibtisch!
Ich erinnere mich noch, wie leidenschaftlich die Stiftung Warentest ihre Gesichtscreme Testreihe auch vor Gericht verteidigt hat. Der Versuchsaufbau für das Test- Heft Sprachreisen fällt beim ersten Anblick in sich zusammen. Direktbuchung kennt das Testheft Sprachreisen nicht oder wird in Nebensätzen als schwierig und zeitaufwendig beschrieben. Besonders, wenn man bedenkt, dass der Kunde direkt mit den Schaltstellen verhandelt und meistens deutlich günstiger fährt. Leistet da die Stiftung Warentest Lobbyarbeit anstatt den Verbraucher zu informieren? Wäre schön zu wissen, wie man ein ganzes Redaktionsteam zum nicht-sehen-wollen motiviert.
Geschrieben von Alexandru Sandbrand am 29.02.08 10:12 in Rubrik: Allgemein | 0 Kommentare | 0 TrackBacks


